Krisenbewältigung ohne Anerkennung

– der tödliche Cocktail der Coronakrise

By JULIA ZENG

Zu Zeiten der Coronakrise sollte die Fähigkeit zur Selbstberuhigung und Distanzierung auf Managerebene von großer Bedeutung sein, denn gerade jetzt sind die Belastungen und die Verunsicherungen besonders hoch. Mitarbeiter und Führungskräfte fühlen sich von der Situation überwältigt, Ängste lähmen und verhindern Motivation und Produktivität. Veränderungen, welche die Coronakrise hervorruft, bedeuten Stress. Stress kann krank machen und dies gilt nicht nur für Mitarbeiter, sondern auch für Führungskräfte.

„Den guten Steuermann lernt man erst im Sturme kennen.“

Gerade in Zeiten von Krisen kommt es auf eine gute Führungskraft an. In guten Zeiten und mit motivierten und kooperativen Mitarbeitern kann jeder einen guten Job machen. Eine mitarbeiterorientierte und menschenfreundliche Führung ist hierbei eine Leichtigkeit.

In einer Krise jedoch erkennt man das wahre Menschenbild einer Führungskraft. Investiert sie auch jetzt noch Zeit in ihre Mitarbeiter, zeigt sie Anerkennung und Wertschätzung, wirkt sie motivierend und sorgt sie für einen angemessenen Belastungsabbau? Führt sie gesund?

Das heißt nicht, dass gleich ein betriebliches Gesundheitsmanagement integriert oder umfassend verändert werden muss. Natürlich ist dies in ungünstigen Zeiten schwierig. Aber wie Mitarbeiter, Führungskräfte, Teams, Bereiche und alle anderen im Unternehmen miteinander umgehen, das sollte keine Frage der wirtschaftlichen Verhältnisse sein. Sich respektvoll behandeln, einander wertschätzend begegnen, das ist in schwierigen Zeiten wichtiger denn je.

Veränderungen sind uns seit je her vertraut!

Seit unserer frühsten Kindheit werden wir immer wieder mit Veränderungen konfrontiert. Es ist immer wieder derselbe Ablauf, oft spricht man hierbei vom sogenannten „Tal der Tränen“.  Als die Coronakrise über uns hereinbrach stellten sich viele Unternehmer aber auch Führungskräfte und Mitarbeiter dieselben Fragen: Ist das alles für uns zu bewältigen? Die Antwort auf diese Frage kann nicht pauschal beantwortet werden, da sie von so vielen verschiedenen Faktoren abhängig ist.

Wenn die Betroffen glauben die Krise sei nicht zu bewältigen, und das glauben leider mittlerweile sehr viele Unternehmen, stellt die Natur uns drei Reaktionsmöglichkeiten zur Verfügung: Schockstarre, Flucht, Angriff.

Mitarbeiter und Führungskräfte werden sich zwar nicht mehr mit diesen drei Optionen auseinandersetzen müssen, aber mit deren emotionalen Entsprechungen – nämlich Leugnung, Angst und Wut.

Und jetzt stellt man sich die eigentliche Frage: Wie geht man damit um?

Über Angstabbau kann man in solch einer Krisensituation sicher nicht sprechen, aber man kann versuchen einen möglichst gesunden Umgang mit der Angst zu entwickeln.

Alle diese Emotionen sind aber nicht allein Privatsache – nein, diese Emotionen wirken sich auf die Produktivität der Mitarbeiter aus und sind somit sehr wohl betrieblich relevant.

In der Psychologie unterscheidet man drei Phasen, die in so einer Krise auf die Mitarbeiter zukommen. Die erste Phase ist der Schock, hierzu zählen auch die Emotionen Angst, Leugnung und Wut. Die zweite Phase ist der Abschied vom Normalzustand und die dritte Phase die Neuorganisation. Keine Phase kann übersprungen werden, aber die Teammitglieder können sich zum selben Zeitpunkt in unterschiedlichen Phasen befinden.

Jetzt sind die Führungskräfte gefragt. Diese sollten auf jeden Mitarbeiter individuell eingehen können. Befindet sich ein Mitarbeiter in der ersten Phase, geht es darum zuzuhören und zu beruhigen. Finden Sie heraus welche Aspekte der Krise in ihren Mitarbeitern besonders große Angst hervorrufen. Sind es lediglich die Nachrichten, in denen ihre Mitarbeiter jeden Tag aufs neue von Menschen hören die ihren Job verloren haben oder wurden bereits Mitarbeiter in Ihrem Unternehmen gekündigt?  In der Zweiten Phase geht es darum Präsent zu sein und ihren Mitarbeiter zu helfen die Situation anzuerkennen und mit ihr umzugehen. In der dritten Phase sollten Sie ermutigen. Versuchen Sie Zuversicht auszustrahlen um ihren Mitarbeitern wieder mehr Sicherheit zu geben. Integrieren Sie ihre Mitarbeiter. Inspirieren Sie nicht nur, sondern lassen Sie sich auch Inspirieren, von den Ideen die ihre Mitarbeiter zur Neuorganisation beitragen.

Wichtig zu wissen : Menschen ändern sich nicht einfach so!

Jeder kennt sicher die berühmten Silvestervorsätze. Erinnern sie sich welchen Vorsatz sie jemals umgesetzt haben? Oft geschieht die Umsetzung eines bestimmten Vorsatzes nur, wenn das neue Verhalten Spaß macht, das alte Verhalten unwichtig war oder man zum neuen Verhalten ermutigt wurde.

Sie sehen also, Mitarbeiter so schadlos wie möglich durch die Coronakrise zu leiten, verlangt Führungskräften viel ab. Obwohl das Ende der Krise noch nicht in Sicht ist und eventuell schon Mitarbeiter das Unternehmen verlassen mussten, muss das verbleibende Team motiviert werden.

Im folgenden haben wir Ihnen ein paar hilfreiche Tipps zusammengestellt: 

  1. Umgeben Sie sich mit Menschen, die einem Mut machen und Austausch gewährleisten!
  2. Erinnern Sie sich gemeinsam mit Ihren Teammitgliedern an frühere Erfolge, das stärkt und ist gut für den Zusammenhalt!
  3. Sorgen Sie für Regelmäßigkeit, denn Struktur gibt Sicherheit!
  4. Geben Sie Feedback, auch bei kleineren Fortschritten!
  5. Informieren Sie alle Teammitglieder persönlich über Neuigkeiten, das zeigt Wertschätzung!
  6. Ganz wichtig: Entlasten Sie sich selbst!